Blei-Akkus stecken vor allem in Seniorenmobilen und in älteren Rollern. Dieser Abschnitt erklärt, wie sich Blei-Säure, Gel und AGM unterscheiden, was Sulfatierung anrichtet, wie richtig geladen und gelagert wird, woran sich ein defekter Akku erkennen lässt und wann ein Wechsel auf Lithium sinnvoll ist.
Tiefenwissen zu Blei-Säure, Blei-Gel, AGM, Sulfatierung und Wartung
Alle drei sind Bleibatterien — sie unterscheiden sich in der Form des Elektrolyten:
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Typ |
Elektrolyt |
Wartung |
Lage |
Einsatz |
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Blei-Säure (offen) |
Flüssig (verdünnte Schwefelsäure) |
Wasser nachfüllen |
Stehend, Belüftung nötig |
Auto-Starterbatterien |
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Blei-Gel (VRLA-Gel) |
Geliert (mit Kieselsäure) |
Wartungsfrei |
Beliebig (auslaufsicher) |
Seniorenmobile, USV |
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AGM (VRLA-AGM) |
In Glasvlies gebunden |
Wartungsfrei |
Beliebig (auslaufsicher) |
E-Roller, Boote, Stand-by |
Bei E-Rollern und Seniorenmobilen kommen fast ausschließlich Gel- oder AGM-Akkus zum Einsatz, da diese auslaufsicher und wartungsfrei sind. „Säure-Akkus" mit Flüssigelektrolyt sind nicht zugelassen für Personenfahrzeuge wegen Auslauf- und Knallgasgefahr.
Sulfatierung ist der häufigste Tod-Mechanismus von Blei-Akkus. Wenn ein Blei-Akku entladen wird, bilden sich Bleisulfat-Kristalle an den Platten. Bei Aufladung wandeln sich diese normalerweise zurück in Bleisulfat → Bleidioxid + Schwefelsäure.
Bleibt der Akku lange entladen, wachsen die Sulfatkristalle so groß, dass sie sich nicht mehr auflösen lassen. Resultat:
Verhinderung:
Eine leichte Sulfatierung kann teilweise mit speziellen Pulser-Ladegeräten gelöst werden (Hochfrequenz-Pulse zerstören kleine Kristalle).
Die Lebensdauer hängt stark von der Nutzung ab:
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Nutzungsmuster |
Lebensdauer |
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Täglich, korrekt geladen |
2–4 Jahre |
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1–2× pro Woche, korrekt geladen |
3–5 Jahre |
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Selten, oft tiefentladen |
1–2 Jahre |
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Standzeiten ohne Erhaltung |
6–18 Monate |
Typische Vollladezyklen bei 50 % Entladetiefe: 500–800. Bei 80 % Entladetiefe: 200–400. Deshalb gilt für Blei-Gel-Akkus: Lieber zwei kleinere und früher laden, als bis 0 % fahren.
Blei hat eine hohe Atommasse (207 u) und niedrige Energiedichte (30–50 Wh/kg). Ein 12 V/100 Ah Blei-Gel wiegt ca. 30–35 kg. Die gleiche Energiemenge in LiFePO4 wiegt nur ca. 12 kg, in NMC ca. 6 kg.
Konsequenzen für Elektroroller:
Trotzdem haben Blei-Akkus einen Vorteil: Sie sind günstiger in der Anschaffung. Eine 60 V/40 Ah Blei-Gel-Bank kostet ca. 250–350 €, ein vergleichbares LiFePO4-Pack ca. 700–1.200 €.
Grundsätzlich ja, aber mit Einschränkungen:
Vorteile des Tauschs: Halbes Gewicht, doppelte Reichweite, 5× längere Lebensdauer. Amortisation oft nach 2–3 Jahren.
AGM (Absorbent Glass Mat) ist eine Bauform der Blei-Säure-Batterie. Der flüssige Elektrolyt ist in feinem Glasfaservlies zwischen den Platten gebunden. Vorteile:
Nachteile: Etwas teurer als Säure, weniger zyklenfest als Gel. Empfehlung: AGM für Roller mit hohem Strom-Bedarf, Gel für reine Zyklenanwendung (Seniorenmobile, Solar).
Korrektes Blei-Laden hat drei Phasen:
Achtung: Blei darf NICHT überladen werden — Wasserzersetzung und Knallgasbildung! Daher MUSS das Ladegerät automatisch in Float wechseln. Billige Konstantstromlader ohne Float zerstören Blei-Akkus.
Blei-Akkus haben KEINEN echten Memory-Effekt (das ist ein NiCd-Phänomen). Aber: Sie haben eine andere Form der Degradation:
Gegenmittel: Mindestens 1× pro Monat eine Vollentladung auf 50–60 % SOC und dann komplette Aufladung. Das durchmischt Elektrolyt und reduziert Schichtung.
Blei-Akkus sind extrem temperaturempfindlich:
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Temperatur |
Verfügbare Kapazität |
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+25 °C |
100 % |
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0 °C |
70–80 % |
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−10 °C |
50–60 % |
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−20 °C |
30–40 % |
Zusätzlich erreicht ein kalter Blei-Akku nicht 100 % beim Laden — Restkapazität geht weiter zurück. Empfehlung: Akku in der Wohnung laden und lagern, vor der Fahrt mindestens auf Zimmertemperatur bringen.
Anzeichen für einen defekten oder stark gealterten Blei-Akku:
Test: Vollaufladen, dann mit definierter Last (z.B. 10 A für 1 h = 10 Ah Entnahme) entladen. Restspannung sollte über 12,2 V bleiben. Bricht sie auf < 11,5 V ein, ist der Akku verschlissen.
Blei-Akkus sind Sondermüll und müssen kostenlos zurückgegeben werden. Möglichkeiten:
Bleiakkus werden zu fast 100 % recycelt: Blei wird eingeschmolzen und neu verwendet, Säure wird neutralisiert, Kunststoffgehäuse wird zu Granulat verarbeitet. Recyclingquote in DE > 99 %.
NIEMALS
Bleiakkus im Hausmüll oder in der Natur entsorgen — Schwermetallvergiftung von Boden und Grundwasser!
Wenn ein Roller-Akku komplett leer ist und nicht mehr lädt, kann man ihn mit einem Auto-Akku „erwecken":
Achtung:
Niemals einen tiefentladenen Lithium-Akku „überbrücken" — Brandgefahr! Lithium braucht Spezial-Reset durch Fachwerkstatt.
Premium-Hersteller mit hoher Zyklenfestigkeit:
No-Name-Akkus aus China kosten 30–50 % weniger, halten aber oft nur 200–300 Zyklen. Für Seniorenmobile mit täglicher Nutzung lohnt sich ein Markenakku — Sie kaufen einmal alle 4 Jahre statt alle 1,5 Jahre.
Anders als Lithium müssen Blei-Akkus IMMER voll geladen gelagert werden. Bei längerer Standzeit mit teilentladenem Akku setzt Sulfatierung ein (siehe Frage 2). Die Sulfatkristalle wachsen über Tage und Wochen, bis sie irreversibel sind.
Empfehlung für Lagerung > 4 Wochen:
Theoretisch ja, praktisch nur unter strengen Bedingungen:
Die Mischung von altem und neuem Akku ist eine der häufigsten Fehlerquellen. Innerhalb weniger Wochen wird der neue Akku auf das Niveau des alten heruntergezogen.
Empfehlung: Bei Akku-Tausch IMMER alle Blöcke gleichzeitig erneuern, gleiche Charge kaufen.