Führerschein, Zulassung, Kennzeichen und Versicherung

Welcher Führerschein gilt, hängt an der Fahrzeugklasse, nicht am Aussehen des Fahrzeugs. Dieser Abschnitt führt die Klassen und Altersgrenzen auf, erklärt Zulassung, Versicherungskennzeichen, COC und ABE sowie die Prüftermine — und was im europäischen Ausland zu beachten ist.

Führerscheinklassen & Fahrerlaubnis

Welcher Führerschein für welche Roller-Klasse

Welcher Führerschein für 25 km/h-Mofa?

Für Mofa (max. 25 km/h, max. 50 ccm bei Verbrenner / max. 1.000 W elektrisch):

  •          Mofa-Prüfbescheinigung: Ab 15 Jahren, Theorieprüfung (90 min, ca. 80 €)
  •          AM-Schein: Ab 16, deckt auch ab
  •          Automatisch enthalten: Bei Klasse B, alte Klassen 1–4 (vor 1980/1986)

Mofa-Bescheinigung erlaubt nur 25 km/h-Fahrzeuge. Für 45 km/h-Klasse braucht es AM oder höher.

Was ist die AM-Klasse?

Klasse AM berechtigt zum Fahren von:

  •          Zweirädrige Kleinkrafträder (45 km/h, max. 4 kW Elektro)
  •          Dreirädrige Kleinkrafträder (45 km/h)
  •          Vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge L6e (Mopedauto, 45 km/h)

Mindestalter: 16 Jahre (in einigen Bundesländern ab 15). Theorie- und Praxisprüfung. Kosten ca. 800–1.500 €.

Was ist Klasse A1?

Klasse A1 für leichte Krafträder:

  •          Hubraum bis 125 ccm (Verbrenner) oder Leistung bis 11 kW (Elektro)
  •          Leistungs-Gewicht max. 0,1 kW/kg
  •          Höchstgeschwindigkeit ca. 80–100 km/h
  •          Mindestalter 16 Jahre

Kosten ca. 1.500–2.500 €. Wer Klasse B (Auto) hat, kann ab 25 mit Schlüsselzahl 196 auch A1-Roller fahren (nach kurzer Schulung).

B-Schein und 125er fahren — Schlüsselzahl 196?

Seit Januar 2020 in Deutschland:

  •          Klasse B-Inhaber ab 25 Jahre
  •          5 Jahre B-Schein-Besitz
  •          9 Stunden Praxis-Schulung (4 Theorie, 5 Praxis)
  •          Keine Prüfung — nur Schulung
  •          Kosten ca. 500–800 €
  •          Eintragung Schlüsselzahl 196 im Führerschein

Berechtigung: 125 ccm/11 kW Roller in Deutschland, NUR Inland (nicht EU-weit!).

Was kostet der Mofa-Führerschein?

Komplettkosten:

  •          Anmeldung Fahrschule: 50–100 €
  •          Theorieprüfung Gebühr: 25 €
  •          Lernmaterial (Fragen, App): 30–50 €
  •          Anmeldung Behörde: 5 €
  •          Sehtest: 7 €
  •          1. Hilfe-Kurs: 30–50 €
  •          Optional Theorie-Stunden in Fahrschule: 40 €/Stunde

Gesamt 80–150 € bei Selbstlernen, bis 250 € mit Fahrschule. Mit AM-Schein deutlich teurer (Praxis-Stunden + Praxisprüfung), aber höhere Berechtigung.

Wie lange ist der Führerschein gültig?

Aktuelle Regelungen:

  •          Mofa-Bescheinigung: Lebenslang (keine Gültigkeitsdauer)
  •          AM, A1, A2, A: Ab 2013 ausgestellt: 15 Jahre, dann Verlängerung Pflicht
  •          Vor 2013 ausgestellt: Bis 2033 umtauschpflichtig (gestaffelt nach Geburtsjahr)

Bei Verlängerung: Sehtest, Foto, ca. 30 €. Gesundheitsprüfung ab Klasse C/D.

Brauche ich einen Erste-Hilfe-Kurs?

Pflicht bei:

  •          AM-Klasse (Roller bis 45 km/h, Mopedauto)
  •          A1, A2, A (Krafträder)
  •          B (Auto) und höher

Nicht nötig: Mofa-Bescheinigung.

Kursdauer: 9 UE (ca. 7 h), ca. 30–60 €. Bei DRK, ASB, Maltesern, Johannitern. Online-Kurse seit 2024 teilweise erlaubt.

Sehtest für den Führerschein

Ablauf:

  •          Bei Optiker oder Augenarzt
  •          Mindestsehschärfe: 70 % beidäugig (mit Brille)
  •          Farbsehen: kein spezieller Test mehr (nur bei Berufsführerschein)
  •          Kosten 5–15 €, dauert 10 Minuten
  •          Bescheinigung max. 2 Jahre alt bei Antrag

Was ist die Klasse 4 (alt)?

Vor 1986 ausgestellte deutsche Führerscheine hatten:

  •          Klasse 4: Mofa, Krafträder bis 50 ccm (entspricht heute AM)
  •          Klasse 5: Mofa

Mit Klasse 4: Mofa und 45-km/h-Roller (heute L1e-A/B) erlaubt. Mit Klasse 3 (Auto): Bis 7,5 t LKW, BE-Anhänger, Krafträder bis 50 ccm.

Bei Umtausch in EU-Karte: Berechtigungen bleiben erhalten.

Mit Behinderung Roller fahren?

Möglich mit ärztlichem Gutachten:

  •          Bei körperlichen Einschränkungen: Spezial-Roller mit angepasster Bedienung
  •          Bei Sehbehinderung: Je nach Schweregrad evtl. Mofa-Bescheinigung mit Auflagen
  •          Fahrtauglichkeitsgutachten: ca. 200–500 €

TÜV / DEKRA bietet Gutachten und Beratung. Bei Krankenkassen-Mobil meist keine Prüfung nötig (medizinische Indikation).

Probezeit beim Führerschein?

Bei Erstausstellung:

  •          Probezeit 2 Jahre
  •          Verstöße können verlängern (zusätzliche Schulungen) oder entziehen
  •          0,0 Promille bis 21 Jahre / während Probezeit
  •          Keine Probezeit bei Mofa-Bescheinigung

Kann ich mit ausländischem Führerschein fahren?

EU/EWR-Führerscheine: 6 Monate problemlos, danach Umschreibung empfohlen.

Drittland-Führerscheine (USA, China etc.):

  •          Erste 6 Monate gültig (mit internationaler Übersetzung)
  •          Nach 6 Monaten: Pflicht zur deutschen Prüfung
  •          Manche Länder anerkannt (z.B. Schweiz) — Umschreibung ohne Prüfung

Zulassung, Versicherungskennzeichen, COC

Zulassung, Versicherungskennzeichen, Hauptuntersuchung

Wie melde ich meinen E-Roller an?

Verschiedene Wege je nach Klasse:

  •          Mofa/45 km/h: Versicherungskennzeichen — bei Versicherung kaufen, kein Amt nötig
  •          125er-Klasse: Zulassung beim KFZ-Amt, weißes Kennzeichen, TÜV-Plakette
  •          Kabinenroller L6e: Versicherungskennzeichen wie 45-km/h-Klasse
  •          Kabinenroller L7e: Reguläre KFZ-Zulassung

Benötigt: COC-Papier, Personalausweis, Versicherungsbestätigung, ggf. Hauptuntersuchung.

Was kostet ein Versicherungskennzeichen?

Komplettkosten:

  •          Haftpflicht-Versicherung: 50–110 €/Jahr
  •          Aufkleber „Versicherungskennzeichen": Im Preis enthalten
  •          Optional Teilkasko: 50–100 €
  •          Optional Vollkasko: 100–250 €

Versicherungs-Saison: 1. März bis 28./29. Februar. Jährlich neuer Aufkleber (Farbwechsel).

Wann ist die HU/TÜV fällig?

Intervalle:

Klasse

HU-Pflicht

Erstprüfung

Mofa 25 km/h

Keine HU

45 km/h-Klasse

Keine HU (nur ASU)

125er-Klasse

Alle 2 Jahre

Nach 24 Monaten

Kabinenroller L6e

Keine HU

Kabinenroller L7e

Alle 2 Jahre

Nach 36 Monaten

 

Kosten HU 50–80 € + ggf. Anpassung der Mängel.

Was prüft der TÜV?

HU-Prüfumfang:

  •          Bremsen (Wirkung, Bremsweg)
  •          Beleuchtung (alle Lichter, Blinker, Hupe)
  •          Lenkung (Spielfreiheit)
  •          Reifen (Profil min. 1,6 mm, keine Risse)
  •          Karosserie (Korrosion, scharfe Kanten)
  •          Fahrgestellnummer
  •          Kennzeichenbeleuchtung
  •          Spiegel
  •          Akku-Befestigung
  •          Bei Verbrennern: Abgase (entfällt bei E-Rollern)

COC-Papier verloren — was tun?

Ohne COC keine Zulassung möglich. Wege zur Ersatzbeschaffung:

  1.        Beim Hersteller direkt anfragen (mit FIN/VIN)
  2.        Beim Importeur (Vertragshändler in DE)
  3.        Bei Generalimporteur

Kosten 50–200 €, Bearbeitungszeit 2–6 Wochen.

Tipp: COC sicher aufbewahren, Kopie separat. Bei Verkauf an Käufer mitgeben.

Was ist eine ABE?

Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) — Zulassungspapier nur für Deutschland (vor EU-Harmonisierung):

  •          Gilt für deutsche Modelle und Importware mit deutscher Zulassung
  •          Wurde durch COC abgelöst (EU-Norm)
  •          Bei alten Rollern noch vorhanden

ABE und COC sind funktional gleichwertig in DE — beide reichen zur Zulassung.

Anhängelast bei E-Rollern?

Sehr selten zugelassen:

  •          Mofa: Keine Anhänger
  •          45 km/h-Klasse: Meist nicht zugelassen
  •          125er-Klasse: Selten, mit speziellen Anhängern erlaubt
  •          Kabinenroller: Praktisch nie

Wenn doch nötig: Lasten-Roller / Cargo-Roller mit eingebautem Lastaufbau.

Kann ich den Roller selbst importieren?

Aus EU: Ja, kein Problem.

  •          EU-COC vorhanden — Zulassung wie bei Inlands-Roller
  •          USt eventuell nachzuentrichten

Aus China direkt: Schwierig.

  •          Roller braucht EU-Typgenehmigung — meist nicht vorhanden
  •          Einzelabnahme beim TÜV ca. 1.500–4.000 € (oft scheitert)
  •          Zoll, Mehrwertsteuer, Spedition

Empfehlung: Beim deutschen Händler kaufen — alle Papiere passen, Garantie, Service.

Was tun bei Kennzeichenverlust?

Bei Verlust oder Diebstahl:

  1.        Polizei-Anzeige (online oder vor Ort)
  2.        Versicherung informieren
  3.        Neues Kennzeichen bei Versicherung kaufen (kostenlos bei Anzeige)
  4.        Bei 125er und L7e: KFZ-Amt informieren

Bis Ersatz da ist: Roller nicht im öffentlichen Verkehr nutzen.

Saisonkennzeichen sinnvoll?

Bei 125er und L7e:

  •          Saison-Kennzeichen z.B. 03–10 (April bis Oktober)
  •          Spart Versicherung im Winter (50–70 % günstiger)
  •          HU-Termin außerhalb der Saison nicht möglich — Termin gut planen

Bei Versicherungskennzeichen-Klassen (45 km/h, L6e): Saisonkennzeichen gibt es nicht — Aufkleber ganzjährig gültig.

Was tun bei einer Verkehrskontrolle?

Bereit halten:

  •          Führerschein
  •          Fahrzeugschein / COC bei größeren Klassen
  •          Versicherungsbestätigung (oder Kennzeichen sichtbar)
  •          Personalausweis

Mofa-Bescheinigung muss bei Mofa-Fahrt mitgeführt werden.

Wer übernimmt Strafzettel bei Leihroller?

Geregelt im Mietvertrag:

  •          Halterhaftung beim Vermieter (Anonymverwarnung)
  •          Halter wird vom Vermieter an Kunden weitergegeben
  •          Vermieter berechnet oft Bearbeitungspauschale 15–30 €

Bußgeld zahlt am Ende der Mieter — nicht der Vermieter.

Recht im EU-Ausland

Roller in der EU, Versicherung, Promillegrenzen

Mein E-Roller im EU-Ausland — was gilt?

EU-Harmonisierung:

  •          Versicherungskennzeichen aus DE gilt EU-weit
  •          COC-Papier reicht zum Fahren
  •          Grüne Versicherungskarte mitführen
  •          Führerschein gilt in allen EU-Staaten

Vorsicht: Promille-Grenzen, Geschwindigkeits-Limits, Helmpflicht können je Land variieren.

Promille-Grenzen in Europa

Übersicht für Krafträder:

Land

Allgemein

Probezeit/jung

Deutschland

0,5 ‰

0,0 ‰

Österreich

0,5 ‰

0,1 ‰

Schweiz

0,5 ‰

0,1 ‰

Italien

0,5 ‰

0,0 ‰

Frankreich

0,5 ‰

0,2 ‰

Niederlande

0,5 ‰

0,2 ‰

Tschechien

0,0 ‰

0,0 ‰

 

Faustregel im Urlaub: Im Zweifel 0,0 — Strafen können drastisch sein (Führerschein-Entzug, hohe Bußgelder).

Mautpflicht in anderen Ländern

In den meisten EU-Ländern gilt:

  •          Mofa und 45-km/h-Klassen: Maut-frei (auf Autobahn meist verboten)
  •          125er-Roller: In manchen Ländern Vignette-Pflicht (Österreich, Schweiz, Tschechien)
  •          Kabinenroller L7e: Wie Auto behandelt — Vignette/Maut

Vor Reise im jeweiligen Land prüfen.

Helmpflicht im Ausland

Generell EU-weit Helmpflicht für Krafträder. Speziell:

  •          Italien: Auch Sozius Helmpflicht (auch Kinder ab 5 Jahre)
  •          Frankreich: Reflektor-Pflicht am Helm und Bekleidung
  •          Spanien: Handschuhe Pflicht im Sommer (kontrovers)
  •          Deutschland: Nur Helm Pflicht, keine weitere Schutzkleidung

Was tun bei Unfall im Ausland?

Sofortmaßnahmen:

  1.        Polizei und ggf. Krankenwagen rufen
  2.        Beweisaufnahme: Fotos, Zeugen, Polizei-Bericht
  3.    Europäischer Unfallbericht ausfüllen (Mehrsprachig, in jeder Versicherung erhältlich)
  4.    Versicherung in Deutschland informieren (per Telefon, dann schriftlich)
  5.    Bei Verletzung: Auslandskrankenversicherung greift

Bei Schaden am Roller: Pannenhilfe oder Spediteur in DE buchen.

Akku-Transport in andere EU-Länder

Privat im Auto: Praktisch keine Beschränkungen.

Versand zur Werkstatt im Ausland: ADR-Pflicht (Gefahrgut), spezielle Spedition (DHL Hazmat, UPS Hazmat). Kosten 100–500 €.

Im Ausland Ersatz-Akku kaufen: Möglich, aber Garantie nur im Verkaufsland.

Roller in DE kaufen, im Ausland anmelden?

Möglich, aber:

  •          USt-Erstattung bei Export (vom Verkäufer)
  •          USt im Zielland nachzahlen
  •          Lokale Zulassung mit COC
  •          Übersetzte Papiere ggf. nötig

Beim Verkauf an Endkunde im EU-Ausland: Reverse-Charge bei B2B möglich. Bei Privatkauf: Käufer trägt Steuer im Heimatland.

Internationaler Führerschein nötig?

Innerhalb EU/EWR: Nein.

Außerhalb (Schweiz, UK, Norwegen, sowie weltweit): Empfehlung, in einigen Ländern Pflicht.

Internationaler Führerschein:

  •          Bei Bürgerbüro / Führerscheinstelle
  •          Kosten 13–20 €
  •          Gültigkeit 1–3 Jahre
  •          Foto, Personalausweis, deutscher Führerschein

============================ TEIL G — KAUF, VERSAND, GARANTIE & FÖRDERUNG ============================

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